Das optimale Werk für die BWL-Einführung
ie von Günter Wöhe † (ehem. Professor der BWL an der Universität des Saarlandes) begründete und von Ulrich Döring (Professor der BWL an der Universität Lüneburg) seit 17 Jahren begleitete bzw. fortgesetzte "Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre" erscheint seit genau 50 Jahren. Die vorliegende 24. Auflage stellt sozusagen eine Jubiläumsausgabe dieses Klassikers dar, der sich seit vielen Jahren zu d e m führenden Standardwerk der deutschen Betriebswirtschaftslehre, mit einer zwischenzeitlichen Gesamtauflage von fast 1,5 Millionen Exemplaren und einem überragenden Marktanteil von 60% unter den fünf auflagenstärksten Einführungen in die BWL, durchgesetzt hat.
An der inhaltlichen und methodologischen Grundkonzeption des Buches hat sich nichts geändert. In einem knappen ersten Abschnitt werden Gegenstand, Methoden und Geschichte der BWL referiert. Der zweite Abschnitt widmet sich dem Aufbau des Betriebes und behandelt die Faktoren, welche die Voraussetzungen für die Entstehung eines Betriebes bilden. Hierzu zählen die Produktionsfaktoren (Arbeit, Betriebsmittel und Werkstoffe), welche im Betrieb kombiniert werden. Des Weiteren sind konstitutive Entscheidungen (insbesondere zur Wahl der Rechtsform, zum Standort und zum Zusammenschluss von Unternehmen) zu fällen. Der dritte bis fünfte Abschnitt befasst sich mit den drei betrieblichen Hauptfunktionen Produktion, Absatz, Investition und Finanzierung. Der sechste Abschnitt "Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen" geht umfassend auf den Jahresabschluss und die Kostenrechnung ein.
Nach wie vor folgt das Lehrbuch der Zielsetzung und den methodologischen Grundpositionen einer wirtschaftstheoretisch fundierten Betriebswirtschaftslehre, welche sich als angewandte, praktisch-normative Wissenschaft versteht. Dazu gehören die behutsame Einführung in die komplexe Welt des ökonomischen Denkens, die leicht verständlichen Sprache, die sparsame Verwendung mathematischer Modelle, das Festhalten an einer über alle Branchen hinweg gültigen Allgemeinen BWL, die klare Abgrenzung zu den Nachbarwissenschaften, das Festhalten am Shareholder-Ansatz, die Festlegung auf die Gewinnmaximierung als Unternehmensziel und die Beschränkung auf sekundäre Werturteile, d. h. das Kriterium zur Beurteilung menschlichen Handelns ist für den Betriebswirt nicht die Moral, sondern die aus dem ökonomischen Prinzip abgeleitete Effizienz. Dabei wird die Notwendigkeit zur Klärung ethischer Fragen keineswegs negiert, jedoch jenen Disziplinen überlassen, die über das bessere wissenschaftliche Rüstzeug verfügen (z. B. Theologie, Moralphilosophie). Wöhe und Döring halten den Stakeholder-Ansatz zwar für gut gemeint, aber für praktisch undurchführbar. Das Konsensmodell scheitert ihrer Meinung nach an den Interessengegensätzen der Individuen bzw. der Stakeholder-Gruppen. Mit dem vertragsbasierten Shareholder-Ansatz wird die Welt so genommen wie sie ist und nicht wie sie nach Meinung der einen oder anderen Stakeholder-Gruppe sein sollte.
Alle Versuche, den Wöhe als den Klassiker unter den BWL-Büchern durch verhaltenswissenschaftliche oder andere Ansätze (z. B. Einführungen in die spezielle BWL oder anhand von Lebensphasen eines Unternehmens oder am Beispiel von Businessplänen) zu verdrängen, waren bislang wenig erfolgreich. Bereits mit der 23. Auflage (2008) reagierten die Autoren auf die neue Situation an den Hochschulen. Die Bachelor-Studiengänge geboten eine Straffung des Stoffes und eine verstärkte Konzentration auf berufspraktische Aspekte der BWL, ohne den Anspruch eines theoriegeleiteten Studiums aus dem Auge zu verlieren. So wurden z. B. Ausführungen zur Produktions- und Kostentheorie sowie zur Bilanztheorie gekürzt, während das Kapitel Kostenrechnung deutlich erweitert wurde. Die Schwerpunkte der Überarbeitung der vorliegenden 24. Auflage orientieren sich an den aktuellen Veränderungen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (z. B. Annäherung an internationale Rechnungslegungsstandards sowie verstärkte Diskussion über die Vereinbarkeit von Wirtschaft und Ethik). Vor diesem Hintergrund wurde das Kapitel zum Jahresabschluss vollständig überarbeitet und in einem neuen einführenden Kapitel der wissenschaftliche Standort der BWL abgehandelt. Dennoch bleibt nicht aus, dass für den Leser dieser Einführung das eine oder andere Thema eventuell zu kurz kommt. So kann man sich angesichts mancher Akzentverschiebungen in der Unternehmenspraxis durchaus vorstellen, dass zukünftige Auflagen der Bedeutung ökologischer Aspekte und dem Bemühen der Unternehmen, über gesellschaftliches Engagement ("Corporate Social Responsibility") zu mehr gesellschaftlicher Akzeptanz zu kommen, noch mehr Aufmerksamkeit widmen werden.
Die visualisierte Form der Wissensvermittlung drängt die herkömmliche Vorlesung immer weiter in den Hintergrund. Diesen veränderten Lehrmethoden wurde wiederum verstärkt Rechnung getragen. Mehr als 800 Abbildungen und Übersichten verschaffen einen schnellen und einprägsamen Überblick über die wichtigsten fachlichen Zusammenhänge und können von interessierten Dozenten zur eigenen Lehrunterstützung in digitalisierter Form vom Wöhe-Portal des Verlags abgerufen werden.
Der Feststellung des Münsteraner Betriebswirtschaftlers Manfred Krafft, anlässlich der Feierstunde zum 50. Geburtstag des Buches am Münchner Sitz der Verlage Beck und Vahlen, ist voll zuzustimmen: "Der Wöhe ist zum Gattungsbegriff für Einführungen in die BWL geworden". Das Buch bietet auf seinen rund 1100 Seiten eine klare Orientierung und kanonisiert gewissermaßen den gesicherten Wissensstand der derzeitigen BWL. Jedem, der sich für betriebswirtschaftliche Fragen interessiert - ob Studenten, Lehrende oder Praktiker - kann dieses Lehrbuch für die Einführung in betriebswirtschaftliche Zusammenhänge oder auch nur als Nachschlagewerk hervorragend nutzen.
Das Übungsbuch entspricht dem weit verbreiteten Bedürfnis zum Lernen an Fallbeispielen. Neben Wiederholungsfragen zum Lehrbuchtext enthält es mehr als 500 Einzelaufgaben und 300 Multiple-Choice-Aufgaben, jeweils mit Lösungen. Der Überarbeitungsschwerpunkt der vorliegenden 13. Auflage dieses Übungsbuches liegt, bedingt durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), mit dem der deutsche Gesetzgeber den handelsrechtlichen Jahresabschluss auf eine völlig neue Rechtsgrundlage gestellt hat, vor allem in der neuen Textfassung zum handelsrechtlichen Jahresabschluss. Die erstmals für den Jahresabschluss 2010 geltenden Bilanzierungs- und Bewertungsregeln finden in zahlreichen neuen Fallaufgaben ihren Niederschlag. Da das Übungsbuch immer stärker zur Klausurvorbereitung eingesetzt wird, wurden die neuen Fallaufgaben einem selbst erarbeiteten Kompendium von Grundstudiumsklausuren entnommen. Darüber hinaus haben die Verfasser den veränderten Studien- und Prüfungsbedingungen des Bachelor-Studiums Rechnung getragen und ihr Testfragen-Programm um mehr als 100 klausurerprobte Multiple-Choice-Aufgaben erweitert. Fazit: ein must-have für die optimale Vorbereitung auf BWL-Klausuren!