Von der Organisationstheorie zur Gestaltung in der Praxis
ieses bewährte Lehrbuch des Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre (insbesondere Organisation und Führung) an der FU Berlin zählt heute, nur zwölf Jahre nach Erscheinen der ersten Auflage, zu Recht zu den Bestsellern der (deutschsprachigen) Organisationslehre und gibt eine umfassende Einführung in das Wesen der modernen Organisationsgestaltung. Nach zwei hinführenden Kapiteln zu den begrifflichen Grundlagen und zur Entwicklung der Organisationstheorie folgt der Aufbau des Buches der Systematik der generischen Probleme der Organisationsgestaltung: Aufgabenstrukturierung, Integration von Individuum und Organisation, Gestaltung der Organisation im Hinblick auf Anforderungen der Umwelt und der Technologie, Ausbalancierung formaler Erwartungen und informaler Prozesse sowie die erfolgreiche Bewältigung des organisatorischen Wandels. Diese didaktisch geschickte Fokussierung kann zwar nicht völlig überschneidungsfrei gelingen, bietet jedoch einen systemtheoretisch überzeugenden Rahmen zur Reflexion organisatorischer Probleme und deren Lösungen. Studierende des Fachgebiets der Organisation wie Praktiker finden hier eine hervorragende gemeinsame Referenzbasis und Möglichkeiten der wechselseitigen Verständigung.
Die vorliegende Neuauflage trägt den zahlreichen Entwicklungen und Perspektiven, welche es in jüngster Zeit in Wissenschaft und Organisationspraxis gegeben hat, Rechnung und hat wesentliche Neuerungen eingearbeitet. Berücksichtigt wurde u. a. die aktuelle Diskussion zu den organisatorischen Praktiken ("practices") und deren Bedeutung für das organisatorische Lernen. Es stellt sich die Frage, wie innerhalb von Communities mit Wissen umgegangen wird und welche Möglichkeiten es gibt, das Wissen in qualifizierter, d. h. bewertbarer Form auch anderen Organisationsmitgliedern zur Verfügung zu stellen. Hinzu kommen Theorien der organisationalen Kompetenz, insbesondere zur Frage ihrer Dynamisierung. Dieses Konzept wird im Kontext des strategischen Managements betrachtet, d. h. organisationale Kompetenz wird als Basis bzw. Ursprung für unternehmerische Strategien gesehen und steht damit in engster Verbindung zu der Frage der Wettbewerbsfähigkeit bzw. der Generierung von Wettbewerbsvorteilen. Des Weiteren sind verstärkt Konzepte organisatorischer Trägheit im Sinne von Veränderungswiderstände, vorrangig unter der Perspektive der Pfadabhängigkeit und der Gefahr eines "Lock-ins", aufgenommen worden. Damit werden Reformstau und Trägheit von Organisationen als Ergebnis unsichtbarer Pfadabhängigkeiten und damit einhergehender "Verriegelungen" erklärt. Ein anderes neu aufgenommenes Thema ist der Umgang mit "dity-work" und den daraus folgenden Problemen für Identitätsbildung und das Arbeitsverhalten.
Sehr gut gelungen ist auch die didaktisch-methodische Konzeption dieses Lehrbuchs, in dem alle Kapitel nach demselben Muster aufgebaut sind: Dem mit Informationskästen ("Fokus") angereicherten Text folgen Diskussionsfragen und kommentierte spezifische Literaturhinweise sowie eine Fallstudie, welche die vorhergehenden theoretischen Darlegungen nicht nur illustriert, sondern vor allem zur Umsetzung der Konzepte auf konkrete praktische Problemstellungen auffordert. Damit zeichnet sich dieses im amerikanischen Stil verfasste Lehrbuch durch hohe Qualität und Unterhaltungswert gleichermaßen aus.
Dieses Buch kann allen Hochschulstudierenden der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, welche einen fundierten Überblick über moderne Organisationskonzepte erwerben wollen und denjenigen Praktikern, welche wertvolle Hilfestellungen bei der Lösung konkreter organisatorischer Gestaltungsprobleme suchen, bestens empfohlen werden.