Auswirkungen von Finanzierungen und Investitionen auf den Unternehmenswert
orporate Finance beschäftigt sich mit der Finanzwirtschaft eines Unternehmens und untersucht dabei insbesondere die Auswirkungen von Finanzierungen und Investitionen auf den Unternehmenswert mithilfe kapitaltheoretischer Methoden. Im Zusammenhang mit den jüngsten finanzwirtschaftlich relevanten Änderungen des Gesellschaftsrechts, der Entwicklung neuer Finanzprodukte und vor allem im Kontext mit den für Investitionen und Finanzierung maßgeblichen Auswirkungen der derzeitigen Finanzkrise kommt der Corporate Finance eine sehr hohe aktuelle Bedeutung zu.
Während sich die meisten Lehrbücher zu Fragen der Corporate Finance entweder schwerpunktmäßig mit der Investition oder der Finanzierung auseinandersetzen, wird in der vorliegenden Arbeit seit der ersten Auflage (1977) der gelungene Versuch unternommen, eine entscheidungsorientierte Finanzierungslehre zu entwickeln. Das Buch von Perridon/Steiner gilt zwischenzeitlich als das etablierte Standwerk für die finanzwirtschaftlichen Entscheidungen eines Unternehmens. Die Gründe für den großen Erfolg dieses Lehrbuchs liegen vor allem darin, dass dieses Werk ein für viele betriebswirtschaftliche Studiengänge relevantes Themenspektrum zur Unternehmensfinanzierung gleichermaßen umfassend, fundiert und grundsätzlich gut verständlich behandelt und dabei auch stets den jeweils aktuellen Forschungsstand der finanzwirtschaftlichen Theorie berücksichtigt.
Die Struktur des Buches orientiert sich vor allem am Bilanzdenken mit den Begriffen Vermögen und Kapital und gliedert sich in sechs Kapitel:
- Im einführenden Kapitel A "Grundlagen der Finanzwirtschaft der Unternehmung" werden der ökonomische Bezugsrahmen für die finanzwirtschaftlichen Entscheidungen und deren Entscheidungskriterien aufgezeigt. Abschließend werden traditionelle und neuere Ansätze der Finanzierungsforschung vorgestellt.
- Im Mittelpunkt des Kapitels B "Management der Vermögensstruktur" stehen die statischen und dynamischen Verfahren der Investitionsrechnung, deren Anwendung an einem durchgängigen einheitlichen Beispiel aufgezeigt wird, was zweifelsohne die Verständlichkeit der Ausführungen erhöht. Zusätzlich werden noch die Investitionsprogrammentscheidungen, die Berücksichtigung der Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen und die finanzwirtschaftliche Disposition des Umlaufvermögens, welche auch die jüngsten Entwicklungen von Cash-Management-Systemen berücksichtigt, thematisiert.
- Das Kapitel C "Wertpapiergeschäfte" zeigt die Organisation der Finanzmärkte und behandelt die alternativen Ansätze zur Beurteilung festverzinslicher Effekten und Portefeuillestrategien. Die Wertpapieranalyse wird hierbei letztlich als ergänzendes Instrumentarium für Finanzinvestitionen betrachtet. Des Weiteren werden vor allem die unterschiedlichen methodischen Ansätze der Analyse von Aktien, Aktienindizes und Portefeuille referiert. Dabei wird auch der zunehmenden Bedeutung des Behavioral Finance Ansatzes, d. h. der verhaltensorientierten Kapitalmarktforschung, Rechnung getragen. Anhand ausgewählter Beispiele erfolgt eine Darstellung der theoretischen Grundgedanken dieses Ansatzes, der das irrationale Verhalten von Kapitalmarktteilnehmern mit Modellen der kognitiven Psychologie zu erklären versucht. Bereits in der 14. Auflage wurde im Unterkapitel Risikomanagement ein Abschnitt über Devisentermingeschäfte und Devisenoptionen aufgenommen, da diese trotz der größer werdenden Eurozone an Bedeutung gewonnen haben, weil immer mehr deutsche Unternehmen auf internationalen Märkten aktiv sind und sich gegen Währungsschwankungen absichern wollen. Ein Abschnitt über die Besteuerung von Wertpapieren rundet die Darlegungen zu diesem Kapitel ab.
- Gegenstand des Kapitels D "Alternativen der Kapitalaufbringung" sind vor allem die diversen Finanzierungsformen der Außen- und Innenfinanzierung sowie Fragen der Kapitalstruktur und Verschuldungspolitik. Eine neoinstitutionalistische Betrachtung der Finanzierungsbeziehung rundet die Thematisierung der Kapitalaufbringung ab.
- Im Kapitel E "Finanzanalyse" geht es um die Beurteilung der finanziellen Lage eines Unternehmens. Dementsprechend steht die Analyse mittels der bestands- und stromgrößenorientierten Finanzkennzahlen sowie mittels diverser Kennzahlensysteme im Fokus der Untersuchung. Neuere Erkenntnisse der empirisch-induktiven Kennzahlenforschung wurden dabei berücksichtigt. Die Kapitalflussrechnung als liquiditätsbezogene Zeitraumrechnung ergänzt diesen Teilabschnitt.
- Das Schlusskapitel F "Finanzplanung" widmet sich vor allem der Organisation sowie den Methoden und Parametern der strategischen und operativen Planung der Finanzen.
In der 15. Auflage wurden wiederum neue Inhalte und zahlreiche Aktualisierungen vorgenommen. Wegen vieler Gesetzesinitiativen war eine komplette Überarbeitung der rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen notwendig. Den gesellschaftsrechtlichen Veränderungen, insbesondere in den Bereichen der Unternehmergesellschaft (auch als Mini GmbH oder 1-Euro-GmbH bezeichnet) und der Europäischen Gesellschaft (umgangssprachlich auch als Europa AG tituliert), wurden ebenso Rechnung getragen wie den Änderungen bei Steuergesetzen und zum Bilanzrecht (BilMoG). Zum anderen wurden Finanzinstrumente neu eingefügt oder ausführlicher beschrieben. So z. B. wurde der Abschnitt über Schuldverschreibungen um strukturierte Floater erweitert sowie Asset Backed Securities und Asset Backed Commercial Papers im Lichte der jüngsten Finanzkrise betrachtet.
Neben Louis Perridon, Gründungspräsident der Universität Augsburg und emeritierter Ordinarius für BWL, hat Manfred Steiner, Inhaber des Lehrstuhls für Finanz- und Bankwirtschaft an der Universität Augsburg, die Fortentwicklung dieses Buches vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten wesentlich betrieben. Die Fülle seiner empirischen Forschungsprojekte zu bank- und finanzwirtschaftlichen Themen (Kapitalmarkt, Risikomanagement, Bewertung von Finanzinstrumenten, Rating und Mittelstandsfinanzierung) haben zweifelsohne dazu beigetragen, dass dieses Lehrbuch auch stets dem aktuellen Stand der Praxis und Theorie der modernen Finanzierungslehre entspricht. Neu als Autor hinzugekommen ist Andreas Rathgeber, Professor für Finanzwirtschaft und Steuerlehre an der Universität Tirol, der in den vergangenen Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Steiner bereits an früheren Auflagen dieses Buches wesentlich beteiligt war.
Bemerkenswert ist auch die sehr gelungene methodisch-didaktische Optimierung der neuesten Auflage. Das Layout des Buches wurde stark verändert und ist dadurch zweifelsohne noch benutzerfreundlicher ausgefallen. Der übersichtliche und zweifarbige Druck, noch mehr Übungsaufgaben, Beispiele und weitergehende Vertiefungsfragen (auf deren Lösungen über die Website des Vahlen-Verlags zugegriffen werden kann) sowie zahlreiche Graphiken tragen zweifelsohne zum besseren Verständnis der durchaus anspruchsvollen Ausführungen im Text bei. Wenngleich mancher Leser den in den jeweiligen Abschnitten eingefügten finanzmathematischen bzw. statistischen Ableitungen bzw. Berechnungen nur beschwerlich folgen kann, so sind die entsprechenden Textausführungen grundsätzlich gut verständlich abgefasst.
Das Buch eignet sich hervorragend für fortgeschrittene Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bachelor- und Masterstudium und kann als vorlesungsbegleitende und -ergänzende Lektüre sehr empfohlen werden. Wegen seiner ausgezeichneten methodisch-didaktischen Strukturierung und Aufbereitung lässt es sich auch zum prüfungsvorbereitenden Fern- bzw. Selbststudium bestens nutzen. Darüber hinaus können Finanzpraktiker in Produktions- und Dienstleistungsunternehmen, einschließlich Banken, auf dieses Buch wegen seiner handbuchartigen Tiefe und stets verlässlichen Aktualität mit Gewinn zugreifen.