Finanzwirtschaft optimal vermittelt
ie Frage nach der Berechtigung eines weiteren Buches über die betriebliche Finanzwirtschaft darf im vorliegenden Fall mit einem eindeutigen JA beantwortet werden. Unverkennbar zeigt dieses Lehrbuch schon beim ersten Durchblättern einen speziellen methodisch-didaktischen Charme und seine Anschaffung erweist sich schon nach wenigen Abschnitten als eine Investition, die in der Tat einen Economic Value Added erzielt, d. h. einen Vorteil im Vergleich zu alternativen Publikationen:
- Der Verfasser hat an der LMU studiert, danach das PHD-Programm an der University of Virginia, Charlottsville, belegt und sich im Anschluss daran an der LMU habilitiert. Diese Erfahrungen haben sicher zum Gelingen beigetragen, die Vorteile amerikanischer Lehrbücher mit denjenigen deutscher Lehrbücher zu kombinieren. Amerikanische Lehrbücher zu Corporate Finance verzichten oftmals auf eine zu akademische Sprache, sie kommen bekanntlich schnell zum zentralen Punkt und sind anwendungs- und kapitalmarktorientiert. Hingegen vermitteln entsprechende deutsche Lehrbücher nicht selten eine Fülle von Detailwissen zu Finanzierungs- und Investitionsfragen und sind perfekt in der Systematisierung von Sachverhalten.
- Martin Bösch lehrt seit 2004 als Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Finanzwirtschaft, an der Fachhochschule Jena. Davor war er Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft der seinerzeitigen HVB AG. Diese wichtige Verbindung von Theorie und Praxis schlägt sich auch wohltuend in diesem Werk nieder. Dementsprechend wird die umfassende Darstellung der Theorie der Finanzwirtschaft mit aussagekräftigen praktischen Anwendungen aus dem Unternehmensbereich gekonnt miteinander verbunden.
- Auch die für das Finanzmanagement wichtigen Themengebiete, welche oftmals in finanzwirtschaftlichen Standardlehrbüchern vernachlässigt werden, werden von Bösch aufgegriffen bzw. vertieft, z. B. die Unternehmung im Kapitalmarkt sowie im internationalen Zusammenhang.
- Hervorzuheben ist nicht zuletzt das gelungene methodische Konzept: Lernziele jeweils zu Beginn sowie Zusammenfassungen am Ende eines Abschnitts, kleinere Übungen im laufenden Text und Übungsaufgaben jeweils am Ende jedes Abschnitts erleichtern die Auseinandersetzung selbst mit komplexen Sachverhalten und unterstützen die Lernzielkontrolle. Am Ende des Buches stehen Lösungsskizzen zu den Aufgaben zur Verfügung. Anhand von ausgewählten Übungsaufgaben wird demonstriert, wie Excel zur Lösung von finanzwirtschaftlichen Fragestellungen eingesetzt werden kann. Des Weiteren wird durch zahlreiche Abbildungen und Tabellen das Verständnis für die Zusammenhänge optisch unterstützt.
- Mathematik wird dosiert und nur dann verwendet, wenn eine Formel bzw. ein kurzer Algorithmus mehr Klarheit bringt, als eine lange Sachverhaltsbeschreibung. Zum Verständnis sind weder Kenntnisse der Differential- noch der Integralrechnung erforderlich, es genügen Grundkenntnisse der Finanzmathematik und Statistik.
Das Lehrbuch ist in vier Teile gegliedert:
- Teil 1 (Grundlagen) gibt einen Überblick über die Interessengruppen einer Unternehmung und die Unternehmenswelt. Danach werden die zentrale Rolle des Cashflows zur Beurteilung von Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen, die Stellung der Unternehmung im Kapitalmarkt sowie die Methoden und Konzepte der Finanzwirtschaft untersucht.
- Teil 2 (Finanzierung) thematisiert das gesamte Finanzierungsgeschehen im Rahmen der Eigen- und Fremd- bzw. der Innen- und Außenfinanzierung. Da Finanzmittel nicht nur von den Eigenkapitalgebern in die Unternehmung, sondern auch umgekehrt von der Unternehmung zurück zu den Kapitalgebern fließen, wird folgerichtig auch die Rückzahlung von Finanzmitteln an die Eigenkapitalgeber in Form von Gewinnausschüttungen, Aktienrückkäufen oder im Zuge von finanzwirtschaftlichen Sanierungsmaßnahmen behandelt. Da die Kosten der Kapitalbereitstellung eine wichtige Frage in der Finanzierungspraxis ist, wird auch auf die Finanzierungskosten und deren Determinanten, jeweils für die einzelnen Formen der Kapitalbeschaffung, vertieft eingegangen.
- Teil 3 (Investitionen und Unternehmenswert) befasst sich mit der Frage, welche Investitionen nach welchen Kriterien durchgeführt werden sollen und unter welchen Voraussetzungen die Investitionsvorhaben den Unternehmenswert erhöhen. Hierzu werden schwerpunktmäßig die traditionellen dynamischen Verfahren, einschließlich der dazugehörigen Einzelfragen wie die Bildung des WACC, das Vorgehen bei der Cashflow-Schätzung und die Möglichkeiten zur Berücksichtigung der Unsicherheit, behandelt. Im Kontext mit der Bestimmung des Unternehmenswerts werden u. a. die Wirkungen veränderter Finanzierungsstrukturen und die Rolle der Besteuerung untersucht.
- Teil 4 (Planung, Steuerung, Internationalisierung) geht von empirischen Erfahrungen aus, dass Unternehmungen vorwiegend über eine Umsatzplanung gesteuert werden. Nach einem Überblick über die Elemente der Umsatz- und Finanzplanung werden die Möglichkeiten des kurzfristigen Finanzmanagements aufgezeigt. Danach steht die Finanzanalyse auf der Basis von Kennzahlen im Mittelpunkt. Dabei wird insbesondere dargestellt, wie Wachstums- und Erfolgspotenziale sowie die finanzielle Lage, Profitabilität und Risikosituation beurteilt werden können. Da zahlreiche Unternehmungen einen Teil ihrer Umsätze auf ausländischen Märkten generieren und dort auch mit Direktinvestitionen agieren, werden in einem abschließenden Abschnitt die wichtigsten finanzwirtschaftlichen Fragestellungen, mit denen sich international tätige Unternehmen auseinandersetzen müssen, angegangen. Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um Wechselkursrisiken, Transaktionsrisiken, ökonomische Risiken und Translationsrisiken.
Fazit: Dieses Lehrbuch kann BWL-Studierenden an Hochschulen und weiterbildenden Akademien zur seminarbegleitenden Vertiefung und zur gezielten Klausurvorbereitung im Fachgebiet Finanzierung/Investition sehr empfohlen werden. Darüber hinaus kann auch der Praktiker der Finanzwirtschaft aus diesem Werk eine Fülle von Anregungen entnehmen.